Titelbild Atemschutzunfaelle.eu

Gefahr von Hitzeerschöpfung und Hitzschlag

Erkenntnisse aus Schweden - Hitzschlag als heimtückische Gefahr

(mkl) Selbst bei einer Übung (siehe Bild) gilt es, auf die Gefahr der Hitzeerschöpfung zu achten. Die in Norwegen bei Atemschutzübungen gemachten Studien zeigten, dass die Körpertemperatur der Feuerwehrleute bis auf 39-40 Grad ansteigt. Die Frage ist, ob in der Übung ausreichend Zeit für Abkühlung gegeben wird, bevor man den nächsten Durchgang macht, fragt sich der Arzt Johan Berge.

Der Atemschutzgeräteträger, der im Mai 2003 in Norrköping (vgl. Bericht) umkam, erlitt wahrscheinlich einen Hitzschlag. Der Hitzschlag stellt für ungeübte Feuerwehrleute eine heimtückische Todesgefahr dar.

Wenn man den kritischen Punkt erreicht, an dem die Körpertemperatur bis auf 41 Grad gestiegen ist, können entsprechende Symptome unglaublich schnell auftreten, so Johan Berge, Arzt an der Rechtsmedizinischen Abteilung des Universitätskrankenhauses Linköping.

Es gibt zwei Arten von Hitzeschlag. Den sog. "klassischen Hitzeschlag" erleiden in der Regel ältere Personen in einem schwachen Gesundheitszustand, die extremen Temperaturen ausgesetzt sind. Der zweite Typ wird der durch die Anstrengung ausgelöste Hitzschlag benannt. Er trifft junge, gut trainierte Personen, die sich einem Extremtraining oder körperlicher Anstrengung aussetzen, ohne dass sie auf die körperlichen Signale achten.

Vier Möglichkeiten zum Abkühlen

Der Körper verfügt über vier Möglichkeiten um Wärme abzuführen:

Die hauptsächliche Wärmeabgabe erfolgt über die Strahlung und durch Schwitzen. Die Schutzkleidung und die Umgebung, in welcher er arbeitet, ermöglicht beides. Der Atemschutzgeräteträger arbeitet im Innenangriff physisch sehr hart, dadurch erhöht sich seine Körpertemperatur. Gleichzeitig ist er einer hohen Außentemperatur ausgesetzt.

Schwitzen als einziger Weg

Ist die Umgebungstemperatur ähnlich oder höher als die Körpertemperatur, erfolgt keine Wärmeabgabe durch Strahlung. In diesem Fall ist Schwitzen die einzige Abkühlungsmöglichkeit. Ist aber der Feuchtigkeitsgehalt innerhalb der Kleidung hoch - bis auf 100% - kann der Schweiß nicht verdampfen. Abkühlung unterbleibt und die Körpertemperatur steigt an. Wenn die Körpertemperatur sich der gefährlichen Grenze von ca. 41 Grad nähert, ist das Risiko groß, dass der Körper falsch reagiert.

Schließlich ist die Blutzirkulation so strapaziert, dass es schwer ist, den Blutdruck im Gehirn aufrecht zu erhalten und dies führt zum Sauerstoffmangel. Bevor man die kritische Temperatur erreicht, bei welchem das Gehirn ernsthaft beeinflusst wird, erfährt man am häufigsten (meistens) Symptome der Hitzeerschöpfung wie z.B. Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Muskelschmerzen. Wenn man den kritischen Punkt erreicht, bei welchem die Körpertemperatur auf 41 Grad angestiegen ist, können diese Symptome unglaublich schnell auftreten. Man kann Muskelkrämpfe bekommen, Orientierung verlieren, verwirrt werden oder sich seltsam verhalten. Danach fällt man ins Koma, so Johan Berge.

In Studien über Atemschutzgeräteträger (u. a. in Norwegen) wurde eine erhöhte Körpertemperatur von 39-40 Grad direkt nach dem Ende einer Realbrandübung gemessen. Johan Berge fragt sich, ob auch bei einem langwierigem Innenangriff gewährleistet wird, dass ausreichend lange Pausen die Körpertemperaturen regulieren.

Ein Fehltritt genügt

Ingvar Holmér, Professor der Klimaphysiologie an der Technischen Hochschule Lund hat im Auftrag der Rettungswerke mehrere Tests durchgeführt. Bereits bei 39-40 Grad ist man so erschöpft, dass nur ein Fehltritt genügt, um nicht mehr heraus zu kommen. Man kann ein Blackout bekommen oder in Ohnmacht fallen, so Ingvar Holmér. Es ist sehr wichtig, dass eine Person, die einen Hitzschlag erlitten hat, schnelle medizinische Hilfe bekommt. Wenn innerhalb von zwei Stunden keine Behandlung erfolgt, liegt die Sterblichkeit sehr hoch.

Arbeitsministerium untersucht die Einsatzgarnitur

Nach dem tödlichen Unglück in Norrköping ist die Frage nach der Funktion der Einsatzgarnitur laut geworden. Ist sie zu dicht? Das Arbeitsumweltamt will die Sache nun untersuchen.

"Der Verstorbene hatte sehr viele Kleider unter der Einsatzgarnitur und wir wollen wissen, ob dies irgendeine Bedeutung hatte", so Brigitta Karlsson vom Arbeitsministerium. In den Diskussionen wird besprochen, ob es möglich wäre, die Einsatzkleidung an gewissen Stellen dünner zu machen, um auf diese Art und Weise früher eine Warnung zu bekommen.

Wie auch Dan Carlsson, Projektleiter der Einsatzgarnitur RB-90 hervorhebt, ist es schwierig. Das geht nicht, dann entspricht man nicht dem Standard. Dagegen kommt die Hitze in der Praxis durch die Kleider an der Stelle, wo die Kleider am "dünnsten" sind. D. h. an den Stellen, wo die Kleidung gegen den Körper drückt wie z. B. an Ellenbögen und Knien. Auf die Art und Weise wird man zeitig "gewarnt". Normalerweise wird der gesamte Wärmeschutz in die Außenkleider eingebaut, denn die Außen- und Innenkleider stammen von unterschiedlichen Herstellern. Zu viele Kleider unter einer Einsatzgarnitur können die physische Belastung erhöhen. Um der Gefahr für zu "dichte" Kleider entgegen zu wirken, versuchten wir aus Schweden die Forderung nach Wasserdampfwiderstand und Wasserdampfdurchlässigkeit in den Standard einzuführen, bekamen aber kein Gehör. Die Forderung findet man bei der nun andauernden Prüfung des Standards.

Quelle: SIRENEN Nr. 7, 2003 (Räddningsverkets Tidning, Artikel von Gunno Ivansson)

Hinweis: Schweden führte 1990 den einheitlichen Schutzanzug RB 90 ein. Dieser Anzug besteht aus Überhose mit Auffanggurt und einer Überjacke mit Kapuze. Unter der Überkleidung wird eine Unterkleidung, inkl. Feuerschutzhaube getragen. Nähere Informationen mit Bildmaterial folgen noch.

Bitte beachten Sie im Rahmen der Diskussion um ein Wärmefenster auch den Beitrag in der Rubrik Schutzkleidung!

"handcooling"

Um Feuerwehrleute vor der Hitze des Feuers und gegen Verbrennungen zu schützen, sind sie mit Schutzkleidung, Handschuhen und Sicherheitsschuhen ausgestattet. Die Art der Kleidung variiert nach Tätigkeit und Organisation, aber alle sind (bewegungs-) einschränkend, sie reduzieren den normalen Kühlungsmechanismus des Körpers - Konvektion (Strahlung) und Verdunstung von Schweiß. Der Effekt/das Ergebnis kann von "bloß" unbequem, eventuell mit einer Reduzierung der Ausführungsmöglichkeit durch den Feuerwehrmann, bis hin zu (unverhohlener) Hitzekrankheit, körperlichem Kollaps und Krankenhauseinweisung reichen. Die Stärke des Hitzestresses hängt von vier Variablen ab...

Lesen Sie den dreiseitigen Artikel von Dr. Douglas Smith, Institute of Naval Medicine -> Download.